Die aktuelle Analyse des international führenden Risikomanagement-Anbieters NAVEX „2026 Whistleblowing und Compliance in Europa - Datengestützte Einblicke und Benchmarks“ zeigt einen klaren Trend: Die Nutzung interner Hinweisgebersysteme durch Unternehmen in Europa nimmt seit Jahren stetig zu. Oliver Riehl von NAVEX sieht trotz dieses positiven Signals weiteres Verbesserungspotenzial, insbesondere beim Vertrauen der Mitarbeitenden in interne Meldewege, bei der Transparenz und bei der Geschwindigkeit, mit der Hinweise bearbeitet werden.
**Berlin, 8. Juni 2026. ** Compliance hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert: Was lange Zeit vor allem als regulatorische Verpflichtung verstanden wurde, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Governance-Funktion in Unternehmen. Viele Firmen investieren stark in interne Richtlinien und digitale Meldesysteme. Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei NAVEX, sieht darin für deutsche Arbeitgeber die Chance, mehr zu tun, als nur die vorgeschriebenen Anlaufstellen zur Verfügung zu stellen: „Wenn Verstöße nicht gemeldet oder nicht konsequent zurückverfolgt werden, entsteht eine gefährliche Lücke in der Risikowahrnehmung.“ Der Experte erläutert, warum es für Betriebe entscheidend ist, nicht nur digitale Kanäle für Hinweise einzurichten, sondern auch Vertrauen zu schaffen, die Unternehmenskultur zu stärken und Mitarbeitende regelmäßig zu schulen.
Die Nutzung interner Meldesysteme nimmt weiter zu
Die aktuellen NAVEX-Daten zeigen, dass Beschäftigte in Europa immer häufiger auf Missstände in Unternehmen aufmerksam machen: Während der Median des Hinweisvolumens im Jahr 2022 bei 0,53 Fällen pro 100 Mitarbeitenden lag, stieg dieser Wert bis 2025 auf 0,85. Im Vergleich zu Nordamerika, das bei 1,86 Meldungen pro 100 Mitarbeitenden liegt, besteht mit Blick auf Nutzung und Akzeptanz jedoch weiterhin Verbesserungspotenzial. „Dass in einem Betrieb seltener von Regelverstößen berichtet wird, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort auch weniger Risiken bestehen“, erklärt Riehl. Dem Experten zufolge stehen deutsche Betriebe vor allem vor einer zentralen Herausforderung: das Vertrauen in interne Systeme weiter zu stärken und klar zu kommunizieren, dass Bedenken ernst genommen und professionell aufgearbeitet werden.
Digitale Kanäle dominieren das Hinweisgeber-Reporting in Europa
Laut NAVEX haben sich webbasierte Systeme außerhalb Nordamerikas zur meistgenutzten Anlaufstelle für Whistleblower entwickelt. Traditionelle Hotlines spielen hingegen eine weniger zentrale Rolle. Das weist auf einen breiten Wandel im Meldeverhalten hin: „Unsere Daten zeigen klar, dass Mitarbeitende heute einfache, digitale und jederzeit verfügbare Lösungen erwarten, um Hinweise auf Fehlverhalten einzureichen“, erklärt Riehl. Er ergänzt: „Es genügt jedoch nicht, die bevorzugten Kanäle bereitzustellen. Entscheidend ist, ob Unternehmen die Berichte sinnvoll analysieren und in konkrete Maßnahmen übersetzen können.“ Dazu gehört auch, Bedenken zu erfassen, die Beschäftigte auf anderem Weg äußern, etwa im persönlichen Gespräch mit Führungskräften. Insgesamt verdeutlicht das, wie wichtig integrierte Lösungen sind, die sowohl beim Einreichen von Meldungen als auch bei der Bearbeitung von Fällen unterstützen. Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt schließlich nicht nur die Zahl der Vorfälle, sondern auch die Komplexität der Themen. Systeme wie NAVEX One können dabei helfen, Hinweise zentral zu sammeln, strukturiert zu prüfen und als Basis für fundierte Entscheidungen und die Bearbeitung der gemeldeten Fälle zu nutzen. „Betriebe, die interne Rückmeldungen regelmäßig auswerten, verschaffen sich einen klaren Vorteil im Risikomanagement“, sagt Riehl. Er fährt fort: „Sie erkennen Muster früher, reagieren schneller und schaffen die Grundlage für eine resiliente, vertrauenswürdige Unternehmenskultur.“
Anonymität – zwischen Schutz und Vertrauen
Eine weitere zentrale Erkenntnis von NAVEX betrifft den Anteil anonymer Whistleblower: In Unternehmen in Kontinentaleuropa werden im Median 58 Prozent der Hinweise ohne Nennung des eigenen Namens eingereicht. Für viele Beschäftigte ist dieser Schutz entscheidend, um mögliche Missstände überhaupt anzusprechen. Gleichzeitig kann ein hoher Anteil anonymer Meldungen jedoch auch darauf hindeuten, dass Mitarbeitende Vergeltung oder persönliche Nachteile befürchten. „Unternehmen sollten eine Kultur fördern, in der sich die Belegschaft darauf verlassen kann, dass ihre Bedenken ernst genommen, fair behandelt und ohne negative Konsequenzen bearbeitet werden“, hebt Riehl hervor. Er betont, dass wirksame Compliance nicht durch Hinweisgebersysteme allein erreicht werden kann, sondern durch Transparenz, Schulungen und Vertrauen gestärkt werden muss. Betriebe, denen es gelingt, diese positiven kulturellen Elemente zu etablieren, erhalten wahrscheinlich weniger anonyme Berichte, was meist einen effizienteren und gründlicheren Untersuchungsprozess ermöglicht.
Bearbeitungszeiten als kritischer Faktor
Doch entscheidend ist nicht nur, ob Beschäftigte Vorfälle melden, sondern auch, wie Unternehmen anschließend damit umgehen. In Kontinentaleuropa ist die Zeit, die benötigt wird, um einen Fall abzuschließen, trotz des steigenden Hinweisvolumens über mehrere Jahre konstant bei 53 Tagen geblieben. „Langsame Prozesse und verzögerte Reaktionen erhöhen das Risiko, dass Probleme zu spät erkannt werden, eskalieren oder sogar erneut auftreten. Risiko- und Compliance-Software wie NAVEX One kann helfen, diese Lücke zu schließen, damit keine wertvolle Zeit verloren geht und Gegenmaßnahmen schneller eingeleitet werden können“, erklärt Riehl. Er führt aus: „Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass der Arbeitgeber einen Verdacht auf Fehlverhalten nicht effizient aufklärt, verlieren sie möglicherweise das Vertrauen in das System und vermeiden von vornherein, es zu nutzen.“ Auch Zeit ist daher ein entscheidender Faktor im Risikomanagement.
Mehr Transparenz als Teil moderner Compliance
Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Wahrnehmung interner Hinweisgebersysteme. Unternehmen profitieren nicht davon, wenn möglichst wenige Meldungen eingehen. Entscheidend sind stattdessen mehr Transparenz und eine stärkere Nutzung der bestehenden Anlaufstellen. Berichte aus der Belegschaft liefern wichtige Informationen und Signale zu potenziellen Risiken, strukturellen Schwächen und operativen Herausforderungen. „Betriebe, die solche Hinweise systematisch auswerten und in ihre Prozesse integrieren, schaffen eine wichtige Grundlage für fundierte Entscheidungen“, sagt Riehl. Gleichzeitig wächst die zugrunde liegende NAVEX-EthicsPoint-Datenbank, die weltweit größte ihrer Art, kontinuierlich weiter: Mit mehr als 2,37 Millionen ausgewerteten Fällen weltweit zeigt die aktuelle NAVEX-Analyse, dass Whistleblowing-Systeme heute zunehmend als integraler Bestandteil moderner Risiko- und Compliance-Strategien verstanden werden. „In Deutschland verfügen viele Betriebe bereits heute über die notwendigen Strukturen. Die zentrale Herausforderung besteht nun darin, diese wirksam in den Geschäftsalltag zu integrieren und Mitarbeitenden das Vertrauen zu geben, potenzielle Risiken frühzeitig anzusprechen“, erklärt Riehl.
Der Report kann hier eingesehen werden.
Über das Unternehmen:
NAVEX ist der weltweit führende Anbieter von Lösungen im Bereich Risiko- und Compliance-Management und geniesst das Vertrauen von 13.000 Organisationen – darunter 75 Prozent der Unternehmen aus den Fortune 100 und 500. Die Plattform NAVEX One stärkt Risiko- und Compliance-Programme und unterstützt Organisationen mit einzigartigen Branchen-Benchmark-Daten und fundierten Einblicken. NAVEX One bietet einen ganzheitlichen 360-Grad-Blick auf Risiken innerhalb des Unternehmens, bei Drittparteien und im gesamten Ökosystem – für mehr regulatorische Sicherheit und ein proaktives Risikomanagement.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Lake Oswego, Oregon, ist weltweit aktiv und gestaltet die Zukunft von Governance, Risk und Compliance massgeblich mit. Besuchen Sie den Blog oder folgen Sie auf LinkedIn, Facebook und YouTube.
Weitere Informationen unter: www.navex.com/de-de
NAVEX Germany GmbH
Westend Tower, Grüneburgweg 58-62
60322 Frankfurt am Main
Pressekontakt:
Fullstop Public Relations
navex@fullstoppr.com