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A woman speaks during a meeting, sitting at a table with two colleagues. A flip chart with diagrams is behind her, and there are flowers in the background. She holds a pen and appears engaged in conversation.

Die nächste Herausforderung für Whistleblowing in Europa

Mittlerweile haben alle EU-Mitgliedstaaten die wesentlichen Bestimmungen der EU-Hinweisgeberrichtlinie in nationales Recht umgesetzt. Die Europäische Kommission hat jedoch Mängel in einigen nationalen Gesetzen festgestellt, unter anderem beim Schutz von Hinweisgebern vor Repressalien. Darüber hinaus prüft die Kommission, wie sich die Richtlinie in der Praxis bewährt.

Für Compliance-Verantwortliche, die Hinweisgebersysteme in mehreren europäischen Ländern betreuen, geht die Herausforderung über die Einhaltung unterschiedlicher nationaler Vorschriften hinaus. Sie müssen auch sicherstellen, dass Mitarbeiter wissen, wie sie die Meldekanäle nutzen können, sich bei der Meldung von Missständen sicher fühlen und darauf vertrauen können, dass ihre Hinweise angemessen bearbeitet werden.

Durch die gemeinsame Analyse von Meldequoten, Bearbeitungszeiten bei internen Untersuchungen und Untersuchungsergebnissen können Compliance-Teams das Meldeverhalten ihrer Mitarbeiter besser verstehen, den Umgang mit eingehenden Hinweisen bewerten und Bereiche identifizieren, in denen Handlungsbedarf besteht.

Warum die Anzahl eingegangener Hinweise allein wenig aussagt

Die Anzahl eingegangener Hinweise gehört häufig zu den ersten Kennzahlen, die Compliance-Teams analysieren. Doch was sagt eine hohe oder niedrige Meldequote tatsächlich aus?

Eine niedrige Meldequote kann darauf hindeuten, dass es weniger Vorfälle gibt. Sie kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass Mitarbeiter die verfügbaren Meldekanäle nicht kennen oder Bedenken haben, Missstände zu melden. Umgekehrt kann eine hohe Meldequote auf ein größeres Vertrauen in das Hinweisgebersystem hindeuten, statt auf eine höhere Zahl von Compliance-Verstößen.

Auch bei der Dauer interner Untersuchungen ist eine differenzierte Betrachtung wichtig. Werden Fälle schnell abgeschlossen, kann dies auf effiziente Prozesse hindeuten. Die Bearbeitungsdauer allein sagt jedoch wenig über die Qualität einer Untersuchung aus. Selbst wenn vorgegebene Fristen eingehalten werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass alle Fälle gründlich untersucht und angemessen abgeschlossen wurden.

Keine einzelne Kennzahl reicht aus, um die Wirksamkeit eines Compliance-Programms zuverlässig zu beurteilen. Meldequoten, der Anteil bestätigter Verstöße, die Dauer interner Untersuchungen und deren Ergebnisse müssen immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden. Dabei sollten sowohl die Art der gemeldeten Vorfälle als auch Veränderungen innerhalb des Unternehmens berücksichtigt werden.

Whistleblowing-Daten analysieren und konkrete Verbesserungsmaßnahmen ableiten

Die Analyse von Whistleblowing-Kennzahlen hilft Compliance-Teams, die Ursachen für Veränderungen im Meldeverhalten und bei der Bearbeitung eingehender Hinweise besser zu verstehen.

Geht beispielsweise die Anzahl der Meldungen zurück, während gleichzeitig immer mehr Zeit zwischen einem Vorfall und seiner Meldung vergeht, könnte dies darauf hindeuten, dass Mitarbeiter zunehmend zögern, Bedenken zu äußern. Bevor Compliance-Teams daraus Schlussfolgerungen ziehen, sollten sie prüfen, ob diese Entwicklungen bestimmte Standorte, Abteilungen oder Meldekanäle betreffen. Auch Mitarbeiterfeedback und jüngste organisatorische Veränderungen sollten in die Bewertung einfließen.

Dasselbe gilt für das Fallmanagement. Dauern interne Untersuchungen zunehmend länger, kann eine Analyse nach Fallkategorien und einzelnen Prozessschritten helfen, mögliche Ursachen für Verzögerungen zu identifizieren. Der Vergleich von Untersuchungsergebnissen bei ähnlichen Fällen kann zudem Unstimmigkeiten aufdecken, die genauer geprüft werden sollten.

Indem Compliance-Teams diese Kennzahlen gemeinsam betrachten, können sie über die reine Erfolgsmessung hinausgehen, potenzielle Schwachstellen gezielt untersuchen und Bereiche identifizieren, in denen weiterer Handlungsbedarf besteht.

A man in glasses speaks to colleagues during a meeting at a table, with papers and blueprints in front of them. Behind them is a flip chart with graphs and notes in an office setting.

Whistleblowing-Benchmarks nutzen, um die richtigen Fragen zu stellen

Wie schneidet Ihr Whistleblowing-Programm im Vergleich zu anderen Unternehmen in Europa ab?

Der Whistleblowing & Vorfallmanagement Benchmark Report 2026 von NAVEX analysiert 2,37 Millionen Meldungen, die 2025 bei 4.052 Unternehmen über NAVEX-Systeme eingegangen sind. Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede beim Meldeverhalten und im Fallmanagement.

Für Unternehmen mit Hauptsitz in Europa sind drei Erkenntnisse besonders relevant:

  • Erfassung eingehender Hinweise: Unternehmen, die Meldungen aus allen Meldekanälen erfassen, verzeichneten im Median 0,95 Meldungen pro 100 Mitarbeiter. Bei Unternehmen, die ausschließlich Meldungen über Webformulare und Hotlines berücksichtigen, lag dieser Wert bei 0,50. Das wirft die Frage auf, ob Hinweise, die Mitarbeiter direkt an Vorgesetzte oder die Personalabteilung richten, ebenfalls konsequent erfasst werden.
  • Anonyme Meldungen: Bei europäischen Unternehmen lag der Anteil anonymer Meldungen im Median bei 62%, verglichen mit 52% in Nordamerika. Auch wenn die Anonymitätsquote allein kein verlässlicher Indikator für das Vertrauen der Mitarbeiter ist, kann sie Aufschluss über deren Meldepräferenzen geben und darüber, wie sehr sie auf den Schutz ihrer Vertraulichkeit vertrauen.
  • Dauer interner Untersuchungen: Europäische Unternehmen benötigten im Median 51 Tage, um einen Fall abzuschließen, gegenüber 26 Tagen in Nordamerika. Welche Rolle spielen dabei Unterschiede in der Komplexität der Fälle, den verfügbaren Ressourcen oder den Untersuchungsprozessen?

Die Zahlen beziehen sich auf die Region, in der die Unternehmen ihren Hauptsitz haben, und nicht auf den geografischen Ursprung der einzelnen Meldungen. Es handelt sich um Medianwerte aus dem NAVEX-Datensatz, nicht um Leistungsziele oder Durchschnittswerte aller europäischen Arbeitgeber.

Der eigentliche Mehrwert von Benchmarks liegt nicht darin, die eigene Leistung lediglich mit einem regionalen Medianwert zu vergleichen. Vielmehr helfen sie dabei, mögliche Ursachen für Unterschiede zu verstehen. Für international tätige Unternehmen bedeutet das, nicht nur die unternehmensweiten Ergebnisse zu betrachten, sondern auch Unterschiede bei den Meldepraktiken, Organisationsstrukturen und lokalen Rahmenbedingungen an den einzelnen Standorten zu berücksichtigen.

Erfahren Sie, wie Sie mit den erweiterten Statistiken und Berichten von WhistleB Meldetrends analysieren, die Berichterstattung an die Geschäftsführung vereinfachen und den Überblick über Ihre europäischen Standorte behalten.