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Rows of rectangular windows on a modern building, with alternating bands of orange, gray, and white panels, creating a bold geometric pattern.

Selbst wenn ein Unternehmen einen exzellenten Ruf hat, was ethische Geschäftspraktiken angeht, dürften die Feinheiten seines Compliance-Programms den allermeisten Kunden unbekannt sein. Kunden und andere Stakeholder messen effektiver Compliance zwar eine große Bedeutung bei, doch nur wenige von ihnen beschäftigen sich mit den konkreten Maßnahmen. Vielmehr achten Kunden auf die Reputation des Unternehmens und vertrauen darauf, dass es mit hohen ethischen Standards arbeitet.  

Diese Vertrauensdynamik spielt für Compliance-Manager, die mit ihren Programmen einen geschäftlichen Mehrwert generieren wollen, eine entscheidende Rolle. Auch wenn Kunden, externe Partner und andere Beteiligte die genauen Abläufe des Compliance-Programms nicht kennen, kann das Vertrauen der Stakeholder, dass das Unternehmen Risiken kontrolliert und ethisches Verhalten fördert, den Weg zu stärkeren Geschäftsbeziehungen ebnen.   

Compliance-Programme, die unterstreichen, wie wichtig es ist, inner- und außerhalb eines Unternehmens Vertrauen aufzubauen, werden tendenziell am stärksten mit positiven Geschäftsentwicklungen in Verbindung gebracht. Programmen dagegen, die sich lediglich auf Compliance im Hintergrund fokussieren, wird es eher schwerfallen, den wahren Wert ihrer Arbeit zu vermitteln und damit Kunden und andere Geschäftspartner zu erreichen. Compliance sollte nicht im Hintergrund stehen, sondern vielmehr ein fester Bestandteil der Marke sein.

Die Zwänge des heutigen Risikoumfelds

„Rufschädigung“ stellt ein wesentliches Problem für Unternehmen dar, die unter den heutigen Risikobedingungen aktiv sind. Dieser Begriff steht für die potenziellen Auswirkungen von realen oder auch subjektiv empfundenen ethischen Fehlern auf Geschäftsbeziehungen. Diese führen oft, aber nicht immer, zu einer negativen Medienberichterstattung. Zudem können bei den Kunden erhebliche Zweifel daran entstehen, dass ein Unternehmen in der Lage ist, ein effektives Compliance-Programm umzusetzen.  

Eine kürzlich von NAVEX durchgeführte Umfrage (in englischer Sprache) unter Compliance-Experten weltweit ergab, dass 14% der fast 1.000 Befragten angaben, ihr Unternehmen habe in den letzten drei Jahren aufgrund von Fehlverhalten von Führungskräften einen Reputationsschaden erlitten. Es ist durchaus möglich, dass der tatsächliche Anteil höher ist – neun Prozent gaben an, dass sie keine Compliance-Probleme offenlegen könnten. 

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die wichtige Rolle, die ein Compliance-Programm bei der Verhinderung von Rufschäden spielen kann. Wenn Kunden, externe Geschäftspartner, Aufsichtsbehörden und andere ein Unternehmen und dessen Einsatz für Ethik und Compliance als „nicht vertrauenswürdig“ wahrnehmen, zieht dies möglicherweise negative Konsequenzen nach sich. Fehlverhalten von Führungskräften ist nur ein Faktor, der den Ruf eines Unternehmens gefährden kann. Dabei müssen sich Compliance-Beauftragte stets vor Augen führen, dass eine Rufschädigung ganz reale Auswirkungen hat.  

Compliance-Führungskräfte bewerten solche Unternehmenskulturen besser, in denen die oberste Managementebene hinter den Werten von Ethik und Compliance steht. Die bereits erwähnte NAVEX-Studie stellte einen engen Zusammenhang zwischen dem subjektiv wahrgenommenen Reifegrad des Compliance-Programms und dem Engagement der Unternehmensführung fest.

Drittparteien und die Bedeutung von Vertrauen

In den derzeitigen Geschäftsstrukturen sind bei fast allen Unternehmen die Leistungen von Drittanbietern fest in Betriebsabläufe eingebunden. Zahlungssoftware, Lieferketten und viele andere Bereiche sind eng mit einem Netzwerk von Dienstleistern verknüpft, die für den Kunden nicht vom Kerngeschäft zu trennen sind.  

Durch diese Dynamik rückt die Bedeutung von Vertrauen als Geschäftsressource noch stärker in den Fokus. Hier können wir das deutsche Lieferkettengesetz als exemplarisches Beispiel für die zunehmende behördliche Kontrolle von Geschäftsbeziehungen mit Dritten betrachten. Die Dauerhaftigkeit, die ethischen Grundlagen und die Resilienz solcher Beziehungen sind wichtig. Wenn Kunden und Geschäftspartner darauf vertrauen, dass ein Unternehmen diese Beziehungen ernst nimmt, geht daraus ein produktiverer Austausch hervor, der wiederum Geschäftschancen eröffnet.  

Auf diesem Feld bieten sich Unternehmen zahlreiche Gelegenheiten, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Der gleichen NAVEX-Umfrage zufolge verwenden nur 33% der Organisationen bei der Überprüfung von Drittparteien einen risikogewichteten Bewertungsansatz. Demzufolge könnten viele Unternehmen ihre Ressourcen bei der Prüfung ihrer Lieferketten strategischer einsetzen. Zudem besteht eine Chance darin, den risikobasierten Ansatz bei der Lieferkettenprüfung gegenüber potenziellen Kunden zu kommunizieren.

Two people in suits walk on parallel escalators in opposite directions inside a modern building. Large windows allow natural light to illuminate the space. Hanging lights and a concrete pillar add to the contemporary design.

Internes Whistleblowing als Ausdruck von „Vertrauenskultur“

Viele Compliance-Experten betrachten internes Whistleblowing als Indikator für eine gesunde Ethik- und Compliance-Kultur. Wenn jemand ohne Angst vor negativen Konsequenzen eine Meldung machen und darauf zählen kann, dass das Unternehmen die Probleme ernst nimmt, zeigt dies ein grundlegendes Maß von internem Vertrauen. Eine solche interne Kultur geht höchstwahrscheinlich auch mit einer positiven Außenwirkung einher.  

Bei der Betrachtung der entsprechenden Kennzahlen sollten Unternehmen die Anzahl der anonymen Meldungen pro 100 Mitarbeiter neben globalen und regionalen Trends auch mit dem eigenen historischen Durchschnitt vergleichen. Der jährlich von NAVEX veröffentlichte Benchmark-Bericht zu Risiko und Compliance liefert Hinweise zur Berechnung dieser und vieler anderer Kennzahlen.  

Weltweit haben im Durchschnitt 56% der Hinweisgeber ihre Meldungen im Jahr 2024 anonym gemacht. Dies ist der letzte Stand eines seit 2009 anhaltenden Abwärtstrends bei anonymen Meldungen. 2009 betrug die anonyme Melderate noch 65%.   

Die Möglichkeit einer anonymen Meldung ist zwar unverzichtbar für jedes Whistleblowing-Programm, allerdings kann eine niedrigere anonyme Melderate auch auf ein höheres Maß an Vertrauen hindeuten – nicht nur in das Programm, sondern in das Unternehmen. 

Interessant dabei ist auch, dass 2023 43 % der externen Meldungen anonym erfolgten. Dem stehen 58 % der internen Meldungen gegenüber. Daraus lässt sich die Überlegung ableiten, dass die Reputation eines Unternehmens am Markt Einfluss darauf hat, ob externe Whistleblower lieber anonym bleiben.

Schlussbemerkungen

„Vertrauen“ – und der ihm innewohnende Wert – kann in ergebnisorientierten Führungsetagen ein schwierig zu vermittelndes Thema sein. Dennoch ist es einfach, die Bedeutung von „Vertrauen“ auf eine Weise zu erzählen, die die meisten Führungskräfte erreicht. Bei welchen Marken haben Sie Vertrauen, dass diese über ethische Lieferketten verfügen? Können Sie diese Annahme mit Daten untermauern? Ist unterm Strich nicht Vertrauen die entscheidende Währung bei schnellen Geschäftsentscheidungen? Ist Vertrauen etwas, das unserem Unternehmen eine führende Position verschafft?  

Neben den unumgänglichen regulatorischen Compliance-Verpflichtungen braucht „Compliance“ als Geschäftsressource ein entsprechendes Storytelling. Unternehmen, die ethische Entscheidungen treffen, können Verbrauchern mit nachhaltiger Wirkung vermitteln, dass sie diese wichtigen Fragen ernst nehmen.   

Leider wird Compliance häufig nur als Hintergrundprozess betrachtet, doch die Realität sieht anders aus. Verbraucher, Geschäftspartner und viele andere legen Wert darauf, dass Unternehmen Vorschriften einhalten und ethisch arbeiten. „Vertrauen“ ist unbezahlbar. Gleichzeitig befindet sich die Compliance-Abteilung in der besten Position, Vertrauen aufzubauen und zu stärken und es als Wettbewerbsvorteil am Markt zu nutzen.

Dieser Artikel ist Teil unseres Leitfadens Compliance-Vorschriften in Deutschland: Ihr umfassender Leitfaden. Lesen Sie den vollständigen Leitfaden, um Ihre regulatorischen Pflichten einzuordnen und ein belastbares, vertrauenswürdiges Compliance-Programm aufzubauen.