
Das Wichtigste auf einen Blick
- Da Unternehmen in der Fertigungsindustrie zunehmend auf Dritte als wichtige Partner für ihre Betriebsabläufe angewiesen sind, entstehen Risiken für die Produktionsverfügbarkeit heute häufig außerhalb des eigenen Werks.
- Resiliente Fertigungsunternehmen setzen statt auf reaktives Krisenmanagement zunehmend auf proaktive Risikoanalysen, um die Vielzahl miteinander verbundener Lieferantenrisiken besser zu steuern.
- Für Compliance bedeutet eine resiliente Lieferkette weniger Produktionsausfälle, mehr Planungssicherheit und bessere Geschäftsergebnisse.
Die Ursachen für Produktionsausfälle haben sich verändert
Produktionsstillstände sind für Unternehmen in der Fertigungsindustrie alles andere als eine neue Herausforderung. Störungen durch Maschinenausfälle oder Arbeitsunfälle gibt es seit jeher. Auch externe Faktoren wie Rohstoffengpässe und geopolitische Spannungen sind bekannte Risiken. Hinzu kommt stets das Risiko regulatorischer Maßnahmen bei Compliance-Verstößen.
Mit den zunehmend komplexen und mehrstufigen Lieferketten in der Fertigungsindustrie hat sich die Art dieser Herausforderung jedoch verändert. Heute reicht es nicht mehr aus, nur die eigenen Betriebsabläufe resilient und regelkonform zu gestalten. Risiken reichen inzwischen weit in die Beziehungen zu Dritten hinein. Umso wichtiger ist ein umfassender Überblick über die oftmals weit verzweigten Netzwerke kritischer externer Partner.
Warum Risiken jenseits der wichtigsten Lieferanten oft unentdeckt bleiben
Fertigungsunternehmen sind auf eine Vielzahl von Lieferanten und anderen Drittparteien angewiesen – oft über Ländergrenzen und mehrere Ebenen der Lieferkette hinweg. Wie groß diese Netzwerke werden können, zeigt der Volkswagen Konzern: Seine Lieferkette umfasst mehr als 63.000 direkte Lieferantenstandorte in 93 Ländern weltweit.
Da es für die meisten Unternehmen unrealistisch ist, jeden Lieferanten mit der gleichen Intensität zu prüfen und zu überwachen, konzentrieren sich Unternehmen mit vielen Geschäftsbeziehungen zu Dritten häufig auf ihre wichtigsten Lieferanten. So fließen die verfügbaren Ressourcen gezielt in die Bereiche der Lieferkette, in denen eine Störung die größten negativen Auswirkungen hätte. Weniger kritische Lieferanten werden dagegen häufig nach stärker standardisierten und skalierbaren Verfahren geprüft.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jenseits der wichtigsten Lieferanten keine erheblichen Risiken entstehen können. Auch diese Lieferanten sind auf ihre eigenen Lieferketten angewiesen. Eine plötzliche Krise – etwa durch Extremwetter, Krieg oder einen Cyberangriff – kann sich dadurch auf zahlreiche nachgelagerte Fertigungsunternehmen auswirken. Risiken über die wichtigsten Lieferanten hinaus im Blick zu behalten, ist daher heute eine erhebliche Herausforderung.
Angesichts dieser komplexen Risikolandschaft scheinen Risiko- und Compliance-Verantwortliche in der Fertigungsindustrie den Wert ihrer Programme bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu erkennen. In einer NAVEX Umfrage aus dem Jahr 2025 stimmte die große Mehrheit „voll und ganz“ oder „eher“ zu, dass ihr Due-Diligence-Programm für Dritte rechtliche, finanzielle und Reputationsrisiken deutlich reduziert. Dennoch gaben in einer vergleichbaren NAVEX Umfrage aus dem Jahr 2026 15% der Befragten aus der Fertigungsindustrie an, dass ihr Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einen Ethik- oder Compliance-Verstoß bei Dritten erlebt hatte.
Da die Risiken entlang der Lieferkette weiter zunehmen, gaben 2026 29% der Befragten aus der Fertigungsindustrie an, dass ihr Unternehmen im Laufe des Jahres mehr in die Due-Diligence-Prüfung von Dritten investieren wird.
Cyberrisiken, Risiken durch Dritte und operative Risiken rücken enger zusammen
Dritte können mitunter so eng in die Abläufe eines Fertigungsunternehmens eingebunden sein, dass sie kaum noch von den eigenen Betriebsabläufen zu unterscheiden sind. Damit gehören Risiken durch Dritte – ebenso wie Cyberrisiken und umfassendere operative Risiken – zu den ständigen Herausforderungen für alle, die einen reibungslosen Produktionsbetrieb sicherstellen müssen.
Diese Risikobereiche wachsen zunehmend zusammen und bilden die Grundlage für risikobasierte Entscheidungen. Das fördert einen ganzheitlichen Ansatz im Risikomanagement. Diese Entwicklung scheint sich auch in der Fertigungsindustrie abzuzeichnen: Auf die Frage, welche internen Herausforderungen für Compliance in den vergangenen 12 Monaten zugenommen haben, nannte nur ein Viertel der befragten Risiko- und Compliance-Verantwortlichen aus der Fertigungsindustrie eine „mangelnde Abstimmung darüber, wie verschiedene Funktionen Risiken verstehen, besprechen und darauf reagieren“.
Dennoch gibt es Potenzial für eine engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen. In einer NAVEX Umfrage aus dem Jahr 2025 gaben Risiko- und Compliance-Verantwortliche aus der Fertigungsindustrie im Vergleich zu anderen Branchen seltener an, eng mit Bereichen wie Datenschutz, Finanzen, Audit und Personalwesen zusammenzuarbeiten.
Mangelnde Transparenz erhöht die Risiken für Fertigungsunternehmen
Letztlich ist ein Lieferant kein Geschäftsbereich des Fertigungsunternehmens. Der Einblick in mögliche Risiken ist daher begrenzt. Umso wichtiger ist ein eng abgestimmter, ganzheitlicher Ansatz, bei dem Risiken durch Dritte kontinuierlich und mit angemessener Intensität sowie in geeigneten Abständen überwacht werden – über verschiedene Berührungspunkte im gesamten Unternehmen hinweg.
Rund drei Viertel der Befragten aus der Fertigungsindustrie bewerteten ihr Unternehmen in einer NAVEX Umfrage aus dem Jahr 2025 in diesem Bereich als mindestens „gut“ aufgestellt. Entscheidend ist jedoch, ob die Führungsebene ausreichend Einblick in diese kontinuierliche Überwachung hat, um strategische Entscheidungen treffen zu können. Im selben Jahr gaben nur 32% der Befragten aus der Branche an, dass ihr Unternehmen über ein zentralisiertes, integriertes Risikomanagementprogramm unter Leitung der Führungsebene verfügt.
Resilienz wird zum Wettbewerbsvorteil
Wenn Kunden eine Zusammenarbeit mit einem Fertigungsunternehmen in Betracht ziehen, stellen sie ähnliche Fragen, wie das Fertigungsunternehmen selbst sie seinen Dritten stellt. Entscheidend ist dabei unter anderem: Wie wirken sich all diese Faktoren auf Resilienz und Produktionsverfügbarkeit aus – und erhalte ich das Produkt dann, wenn ich es benötige?
In der Fertigungsindustrie scheint die Führungsebene den Wert von Compliance-Programmen klar zu erkennen. Insgesamt 82% der Befragten aus der Branche stimmten „voll und ganz“ oder „eher“ zu, dass die Führungsebene Compliance-Programme als strategischen Vorteil für das Unternehmen betrachtet. Für Risiko- und Compliance-Verantwortliche in der Fertigungsindustrie bietet sich damit die Chance, die notwendigen Tools und Ressourcen bereitzustellen, um die Resilienz zu stärken und den zahlreichen Faktoren entgegenzuwirken, die zu einem Produktionsstillstand führen könnten.

Drei Schritte für mehr Resilienz in der Lieferkette
Fertigungsunternehmen jeder Größe können konkrete Maßnahmen ergreifen, um Risiken entlang der Lieferkette zu steuern und ihre Resilienz zu stärken:
- KI eröffnet neue Möglichkeiten bei der Risikobewertung von Dritten: 2026 gaben 14% der Risiko- und Compliance-Verantwortlichen aus der Fertigungsindustrie gegenüber NAVEX an, dass ihr Unternehmen KI bereits für die Risikoprüfung und Due-Diligence-Prüfung von Dritten einsetzt. Sorgfältig und in enger Abstimmung mit dem Compliance-Programm implementiert, können diese neuen Technologien der Branche dabei helfen, ihre besonders komplexen Netzwerke aus Lieferantenbeziehungen und damit verbundenen Risiken besser zu steuern.
- Risiken durch Dritte proaktiv steuern: Die heutigen Strukturen vieler Fertigungsunternehmen führen dazu, dass erhebliche Störungen auch tiefer in der Lieferkette entstehen können. Eine kontinuierliche Überwachung größerer Teile des Lieferantennetzwerks kann daher notwendig sein. Speziell dafür entwickelte Software und eine engere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmensbereichen können dies auch mit vorhandenen Ressourcen ermöglichen.
- Risiken ganzheitlich betrachten und kommunizieren: Ein risikobasierter Ansatz bei Entscheidungen kann die Führungsebene und andere Entscheidungsträger dabei unterstützen, entschlossen zu handeln, wenn Risiken durch Dritte, Cyberrisiken, operative Risiken und weitere Risikofaktoren zusammentreffen. Risiko und Compliance können den notwendigen Austausch ermöglichen – und viele sind der Ansicht, dass die Führungsebene für diese Gespräche bereit ist.
Lieferketten stärken und die Resilienz des Unternehmens erhöhen
Risiko und Compliance haben die Chance, die Lieferketten ihres Unternehmens zu stärken und damit die Fertigung resilienter zu machen.
Erfahren Sie, wie ein ganzheitlicher Ansatz für das Management von Risiken durch Dritte Ihrem Unternehmen hilft, die Kontrolle zu verbessern, Risiken zu reduzieren und die Resilienz über alle Standorte, Lieferanten und Regionen hinweg zu stärken.


