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Workers in a warehouse check and scan packages with tablets and scanners; a digital globe and green checkmark graphic symbolizes global shipping and eco-friendly logistics.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • KI kommt bereits in der großen Mehrheit der Fertigungsunternehmen zum Einsatz. Nur ein sehr kleiner Teil gibt an, bislang überhaupt keine KI-Tools zu nutzen.
  • Zu den Einsatzbereichen gehören unter anderem Modelle für die vorausschauende Wartung und die Risikobewertung von Dritten. Ohne klare Vorgaben für den Einsatz von KI können Anwender das Unternehmen jedoch unbeabsichtigt Risiken aussetzen.
  • Die regulatorischen Anforderungen an KI nehmen rasch zu und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Eine solide Governance-Grundlage kann es Unternehmen erleichtern, neue Vorgaben zu erfüllen, sobald diese in Kraft treten.

Der KI-Einsatz nimmt rasant zu. Hält die Governance Schritt?

Wie in anderen Branchen hat auch die Fertigungsindustrie KI schnell in ihre Betriebsabläufe integriert. In unserer Umfrage für den 2026 Risk & Compliance Report gaben nur 6% der Risiko- und Compliance-Verantwortlichen aus der Branche gegenüber NAVEX an, dass in ihrem Unternehmen bislang überhaupt keine KI eingesetzt wird. Lediglich 3% erklärten, dass auch für die kommenden 12 Monate kein Einsatz geplant sei.

Doch während diese Technologien die Abläufe in der Fertigungsindustrie schnell und grundlegend verändern, stellt sich die Frage: Hält die Governance Schritt? Die Unternehmen scheinen sich der Notwendigkeit bewusst zu sein. In unserer Umfrage gaben insgesamt 79% der Befragten aus der Branche an, dass Compliance bei Entscheidungen über den Einsatz von KI entweder „stark“ oder „teilweise“ eingebunden ist. Das ist ein deutlich positives Signal. Doch mit der zunehmenden Bedeutung von KI für die Fertigungsindustrie müssen Compliance-Teams auch weiterhin über das notwendige Wissen und die erforderlichen Ressourcen verfügen, um Vorgaben für den KI-Einsatz mitzugestalten – und sicherzustellen, dass diese auch in den für die Branche typischen, weit verteilten Geschäftsbereichen eingehalten werden.

Was KI-Governance in der Fertigung konkret bedeutet

Wirksame KI-Governance in der Fertigungsindustrie ist mehr als eine Reihe von Richtlinien, die lediglich dokumentiert werden. Wie alle wirksamen Richtlinien muss auch KI-Governance fest in den Betriebsabläufen verankert sein – und von jedem Mitarbeiter in der Produktion verstanden und im Arbeitsalltag umgesetzt werden.

Die einfache Verfügbarkeit von KI-Modellen ist eine große Stärke und treibt Innovationen bei ihrem Einsatz voran. Auf der Suche nach mehr Effizienz finden Mitarbeiter bereits heute – und künftig noch stärker – neue Wege, Routineaufgaben schneller zu erledigen und innovative Lösungen für Probleme zu entwickeln. Gleichzeitig birgt diese Zugänglichkeit auch Risiken und begünstigt den Einsatz von „Schatten-KI“ im gesamten Unternehmen. Ohne klare Vorgaben können Anwender unbeabsichtigt sensible Informationen wie zukünftige Produktpläne, geschützte Designs oder andere Geschäftsgeheimnisse offenlegen oder fehlerhafte Ergebnisse erzeugen. Eine wirksame Governance ist daher entscheidend, damit diese Risiken die konkreten Vorteile der KI-Innovation nicht überwiegen.

Die Einsatzmöglichkeiten von KI in der Fertigungsindustrie entwickeln sich kontinuierlich weiter. Unternehmen nutzen KI bereits, um umfangreiche Betriebsdaten auszuwerten und zu ermitteln, wo vorbeugende Wartungsmaßnahmen künftige, kostspielige Produktionsausfälle reduzieren können. 2026 setzen 14% KI für die Risikoprüfung und Due-Diligence-Prüfung von Dritten ein. Laut NAVEX Umfragedaten dürfte sich dieser Anteil im kommenden Jahr verdoppeln. Auch die Arbeitssicherheit kann von einer stärkeren, proaktiven Bewertung frühzeitiger Risikoindikatoren und einer schnelleren Untersuchung gemeldeter Vorfälle profitieren.

Dies sind nur einige der neuen Anwendungsbereiche, in denen klare Verantwortlichkeiten für KI-Modelle, eine Dokumentation zulässiger Einsatzmöglichkeiten und die kontinuierliche Überwachung der Ergebnisse wichtig sein werden. Dabei gilt durchgehend: Compliance muss in die Entscheidungen eingebunden sein.

Neue Herausforderungen durch KI bei Lieferantenrisiken

Fertigungsunternehmen verfügen über langjährige Erfahrung im Umgang mit operativen Risiken wie Produktionsausfällen, Maschinenschäden und Arbeitssicherheit. Ganzheitliche Compliance-Strategien und -Systeme haben dabei geholfen, diese Herausforderungen auch über zunehmend komplexe Lieferketten hinweg zu bewältigen. Mit KI kommt nun eine neue Dimension des Risikomanagements hinzu.

Auch Dritte – ob Anbieter von Software für interne Prozesse, Dienstleistungen für die Produktion, Rohstoffen und Bauteilen oder anderen Leistungen – prüfen zunehmend, wie sie KI für ihre eigenen Zwecke einsetzen können. Im Rahmen eines ganzheitlichen Risikomanagements müssen Fertigungsunternehmen daher auch berücksichtigen, wie ihre Dritten mit KI umgehen. Setzen diese KI so ein, dass sensible Daten des Fertigungsunternehmens geschützt bleiben? Könnten böswillige Akteure bei einem Dritten KI nutzen, um Schwachstellen in den Prozessen des Fertigungsunternehmens zu erkennen oder zu schaffen?

Wie bei anderen Bereichen des Managements von Drittparteienrisiken werden kontinuierliche Überwachung und wirksame Risikobewertungen immer wichtiger, je komplexer und weitreichender diese Lieferkettenbeziehungen werden.

Der regulatorische Druck rund um KI nimmt zu

Weltweit entwickeln Regulierungsbehörden ihre Rahmenbedingungen für die KI-Compliance weiter. Angesichts der häufig globalen Ausrichtung der Fertigungsindustrie entsteht damit ein neues und potenziell dringendes Handlungsfeld für Risiko und Compliance.

Eines der ersten großen Beispiele für eine umfassende KI-Regulierung ist der EU AI Act. Damit setzt die Europäische Union ihren umfassenden Regulierungsansatz für neue Technologien fort, ähnlich wie bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Der EU AI Act betrifft zahlreiche Bereiche von Fertigungsunternehmen, die in der EU ansässig sind oder dort Geschäfte tätigen. Doch er ist längst nicht die einzige Regulierung: Weltweit entsteht ein komplexes Geflecht aus Vorschriften, die sich schnell weiterentwickeln und neu ausgelegt werden – von Vorgaben gegen Diskriminierung beim KI-gestützten Bewerber-Screening in New York City bis hin zu zahlreichen branchenspezifischen Richtlinien. Kurz gesagt: Die Regulierung von KI ist bereits weit verbreitet und entwickelt sich rasant.

Unternehmen sollten nicht warten, bis neue Vorschriften verpflichtend werden, bevor sie klare Governance-, Dokumentations- und Verantwortungsprozesse für den Einsatz von KI etablieren. Ganzheitliche Compliance-Systeme und -Prozesse können dazu beitragen, dass die erforderlichen Tools und Kontrollen rechtzeitig bei Mitarbeitern vor Ort und entlang der Lieferkette ankommen. Bestehende Compliance-Rahmenwerke können dabei als Ausgangspunkt dienen – auch solche aus Rechtsräumen, deren Vorschriften für das Fertigungsunternehmen möglicherweise nie unmittelbar gelten.

Die wirtschaftlichen Folgen unzureichender KI-Governance

Die wirtschaftlichen Folgen einer unzureichenden KI-Governance werden für Unternehmen – auch in der Fertigungsindustrie – künftig weiter zunehmen.

Es besteht ein konkretes regulatorisches Risiko. Der EU AI Act sieht beispielsweise bei bestimmten Verstößen Sanktionen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes des Vorjahres vor – je nachdem, welcher Betrag höher ist. Weitere wirtschaftliche Folgen können Betriebsstörungen, Fehlentscheidungen, Reputationsschäden und ein Verlust des Kundenvertrauens sein.

Eine starke Governance kann dazu beitragen, diesen Risiken entgegenzuwirken. Damit wird eine wirksame KI-Governance zum Wettbewerbsvorteil für Fertigungsunternehmen: Sie stärkt die Resilienz und schafft die Grundlage für einen durchdachten Einsatz von KI in der Zukunft.

Two workers in orange safety vests pack boxes in a warehouse. One smiles while using packing tape on a box; the other stands nearby holding a handheld scanner, also smiling. Shelves of boxes are visible in the background.

Was Unternehmen jetzt tun können

Fertigungsunternehmen können bereits heute konkrete Maßnahmen ergreifen, um ihre KI-Governance schnell weiterzuentwickeln:

  • Bestandsaufnahme für mehr Transparenz: Wo wird KI derzeit im Unternehmen eingesetzt? Berücksichtigen Sie dabei sowohl die individuelle Nutzung durch einzelne Mitarbeiter als auch den KI-Einsatz bei wichtigen Dritten und Lieferanten.
  • Governance-Richtlinien entwickeln: Legen Sie übergeordnete Regeln für den Einsatz von KI fest, die zulässige Anwendungen, Verantwortlichkeiten, Aufsicht und Risikobewertungen definieren und gleichzeitig aktuelle regulatorische Anforderungen berücksichtigen.
  • Governance in die Praxis umsetzen: Statten Sie Mitarbeiter im gesamten Unternehmen mit den notwendigen Schulungen und Tools aus, damit sie die neuen Governance-Richtlinien im Arbeitsalltag umsetzen können. Stellen Sie Schulungen bedarfsgerecht und skalierbar bereit und etablieren Sie unternehmensweit Tools und Prozesse, die Risikobewertungen unterstützen und gleichzeitig relevante Informationen für die Entscheidungsträger auf höchster Ebene liefern.

Mit dieser Grundlage kann sich das Unternehmen an neue regulatorische Anforderungen anpassen, während diese sich weiterentwickeln. Bei allen Entscheidungen über Richtlinien für den Einsatz von KI sollte Compliance von Anfang an in die Diskussion eingebunden sein.

Eine starke Grundlage für KI-Governance schaffen

Risiko und Compliance spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau einer zukunftssicheren KI-Governance in der Fertigungsindustrie. Mit dem zunehmenden Einsatz von KI wird diese Aufgabe nicht nur wichtiger, sondern bietet Unternehmen auch immer mehr Chancen.

Erfahren Sie, wie ein ganzheitlicher Ansatz für KI-Governance und Compliance-Management Ihrem Unternehmen hilft, neue Risiken zu steuern und gleichzeitig die Vorteile von KI zu nutzen, um schneller voranzukommen.